Der Ernst des Schwarzwalds

 

von Michael Hübl

 

Schwarzwaldhöfe sind ein, wenn nicht das zentrale Motiv, dem sich Maier in seinen künstlerischen Arbeiten widmet. Dahinter steht keine romantisierende Koketterie, sondern eine offensichtlich tief gehende Verbundenheit mit der Region, in der Maier geboren wurde, in der er aufgewachsen ist und in der er lebt.  Und wie der Landstrich, so ist ihm dessen Kultur nahe, die nicht zuletzt einen Teil seines Brotberufs ausmacht: Albi Maier ist Uhrenschildermaler und beherrscht dieses Handwerk mit jener feinpinseligen Präzision, die es braucht, um zarte Rosen oder geschwungene Ranken auf die Lackschilder mit ihren Zifferblättern zu bannen. Sein Können macht er sich auch für seine freien Malereien zunutze - insbesondere für seine Miniaturen.

 

Der 61-Jährige bleibt dort nicht stehen. Vielmehr widmet er sich dem Gegenstand seines Interesses auch in anderen Formaten. Er geht seine Malerei sogar analytisch an, indem er neben dem Bild eines Hofes die Farben einzeln vorstellt, mit denen er sein Werk aufgebaut hat. Auf separaten, monochromen Tafeln werden dann etwa ein grünliches Weiß oder ein warmer Creme-Ton gleichsam unter die Lupe genommen. Wie sorgsam, wenn nicht gar skrupulös Albi Maier bei alledem vorgeht, belegen die Übermalungen, mit denen er ein ums andere Mal seine Schwarzwaldhof-Schilderungen auslöscht. Ähnlich wie seine völlig ungegenständlichen, rein aus dem Malfluss abgeleiteten Arbeiten belegen sie das Ethos, mit dem der Künstler, der nie eine einschlägige Hochschule besuchte, an sein Metier herangeht. Denn: Die Malerei ernst nehmen, heißt, sie in Frage stellen - vor allem dann, wenn man sie besonders gut beherrscht. Wobei Ernsthaftigkeit offenbar einen Grundzug ausmacht im Wesen Maiers: Neben den Bildern umfasst die Ausstellung etliche, teilweise reich verzierte schwarze Hauben, wie sie traditionellen Tracht verheirateter Frauen im Schwarzwald gehörten. Jetzt unterstreichen sie Maiers Respekt von einer gewachsenen und eigentlich vergangenen Volkskultur.

 

Textauszug aus dem Buch "vertraute fremde Umgebung" , erschienen bei Modo nach einer Ausstellung in der Galerie Voegtle in Karlsruhe.

 

Albi Maier – vertraute fremde Umgebung

2012. Hg: Mag. Thorsten Rudolph.

Texte von Mag. Thorsten Rudolph, Hans Martin Erhardt, Maria Schüly, Michael Hübl.

40 Seiten, 24 x 31 cm, 23 Abbildungen,
Hardcover, Fadenheftung.

Modo Verlag, 24,00 EUR / 25,00 SFR
ISBN 978-3-86833-105-9

 

Albi Maier – Malerei und Identität

2009. Hg: Raimund Voegtle, Albi Maier.

Texte von Susanne Meier-Faust, Wolfram Metzger.

80 Seiten, 30,5 x 23 cm, deutsch,
54 Farb- und 10 s/w-Abbildungen, Hardcover, Fadenheftung.

Modo Verlag, 24,00 EUR / 41,00 SFR

ISBN 978-3-86833-042-

 

 

Ulrich Beer, Albi Maier, Roswitha Stemmer-Beer

Überdacht

So klein sind die riesigen Schwarzwalddächer

 

Schwarzwaldhöfe liegen weit verstreut. Die einzelnen Höfe trennen Wiesen, Weidezäune und Wasserläufe; viel Luft ist zwischen ihnen und wenig Nähe. Jeder ist sein eigener Herr und sich grade genug der Nächste. Jeder Hof hat sich eigen im Besitz: die Arbeit, das Beten, die Zeit, das Gerät, das Schindelmachen, das Schlachten, das Brotbacken - für jeden sein eigenes Brot - Hof für Hof - Eigenbrötler und für jeden sein eigenes Schicksal, hausgemacht.

Ulrich Beer, Albi Maier, Roswitha Stemmer-Beer – Überdacht

Gebundene Ausgabe, 140 Seiten,
Format 22 x 23 cm

Erschienen bei Drey,, Preis: 24,00 EUR
 ISBN:978-3-933765-37-6

Kunstprojekt:

Hello Yellow Neustadt - Eine Stadt sieht gelb

aus den Stuttgarter Nachrichten

 

Titisee-Neustadt - Denkt man an den Schwarzwald, kommen einem Kuckucksuhren und Schwarzwälder Kirschtorte in den Sinn. Aber gelbe Häuser? Wenn es nach Albi Maier geht, wird das bald der Fall sein.

Der Maler gründete in der 12.000-Einwohner Stadt Titisee-Neustadt die Initiative "Hello Yellow" - mit dem Ziel, das glanzlose Neustadt in ein strahlendes Licht zu rücken.

Jeder Schwarzwaldtourist kennt den Titisee. Doch wer hat schon mal was von der Schwestergemeinde Neustadt gehört? Bisher hat man auch nicht viel verpasst: Eine ausblutende Innenstadt, ein großer Schuldenberg und ein wenig attraktives Erscheinungsbild sind nur einige der Probleme, mit denen die Stadt zu kämpfen hat.

 

Mehr Informationen zu Hello Yellow Neustadt auf www.hello-yellow.net

 

ALBI MAIER

Albi Maier "ertränkt" teilweise seine Bilder in monochromer Farbe, um  "zur Ruhe zu kommen und die Stille seiner Landschaft auszudrücken".

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